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Informationen zur Antibiotikaresistenzsituation in der Geflügelmast

Welche für den Menschen bedeutenden Keime können im lebenden Geflügel vorhanden sein?

Campylobacter und Salmonellen sind Durchfallerreger und gleichzeitig die häufigsten Auslöser von lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüchen beim Menschen. Es gibt aber noch eine Vielzahl an Keimen, die natürlicherweise bei Geflügel vorkommt und auch auf den Menschen übertragen werden können (z. B. Escherichia coli oder Staphylokokken). Auch multiresistente Keime – Bakterien, die gegenüber vielen antimikrobiellen Wirkstoffen resistent sind – können in Tierbeständen vorkommen. Zu diesen zählen u. a. der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) sowie Extended Spectrum Beta-Lactamase (ESBL)-bildende Enterobakterien.

Die Übertragung kann durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren, durch den Konsum von kontaminierten Lebensmitteln sowie durch indirekten Kontakt (z. B. durch verunreinigte Umgebung) erfolgen.

Ist es gefährlich keimbelastetes Geflügelfleisch zu essen?

Tierische Lebensmittel insbesondere Fleisch weisen immer eine gewisse Keimbelastung auf. Absolut keimfrei werden Lebensmittel nur durch radioaktive Bestrahlung oder durch Hocherhitzung (Konserven). Die Keimbelastung kann durch eine Behandlung mit Chlor- oder Phosphorverbindungen oder Milchsäure verringert werden. Derzeit wird auf der Ebene der Europäischen Kommission der Einsatz vor allem der chemischen Dekontamination (Anwendung von antibakteriell wirksamen Stoffen) von Rohfleisch diskutiert. Es fehlen allerdings noch Erkenntnisse über unerwünschte Effekte durch Dekontaminationsmaßnahmen auf das Produkt und die Umwelt. Daher haben sich die Mitgliedstaaten der EU und auch Österreich entschieden, die Keimvermehrung durch Hygiene bei der Produktion zu verhindern und nicht durch nachträgliche Dekontamination.

Campylobacter und Salmonellen sind weltweit verbreitet, wobei tierische Lebensmittel die bedeutendste Infektionsquelle darstellen. In Österreich wurden im Jahr 2010 in rohem Hühnerfleisch 5,5 %, in rohem Putenfleisch 10,7% und in Hühnerfleischzubereitungen (vor der zum Verzehr vorgesehenen Erhitzung) 2,2% Salmonellen nachgewiesen. Campylobacter wurden in 8,7% der rohen Geflügelfleischproben nachgewiesen.

Im Vergleich mit anderen europäischen Staaten liegt Österreich gut (vgl. Trends and Soucres of Zoonoses and Zoonotic Agents and Foodborne Outbreaks in the European Union in 2008 und Zoonosenbericht 2010).

Werden kontaminierte, nicht ausreichend erhitzte Lebensmittel verzehrt, kann es binnen weniger Tage zu einer Durchfallerkrankung kommen. Diese klingt in der Regel nach einigen Tagen wieder von selbst ab.

Ist es gefährlich, Geflügelfleisch zu essen, das mit MRSA oder ESBL belastet ist?

Das Risiko, durch den Verzehr von Geflügelfleisch zu erkranken, das mit MRSA oder ESBL kontaminiert ist, ist gering. Bisher sind nur wenige Fälle beschrieben, bei denen eine MRSA-Infektion des Menschen auf Lebensmittel zurückgeführt werden konnte. In den wenigen bekannten Fällen waren die Lebensmittel durch infizierte Personen verunreinigt worden.

Grundsätzlich sind wärmebehandelte Lebensmittel wie pasteurisierte Milch, gebratenes oder gekochtes Fleisch sicher. Gerade beim Umgang mit rohem Geflügel müssen die üblichen Hygienemaßnahmen strikt eingehalten werden. Dazu gehört auch, dass erhitzte Lebensmittel nicht nachträglich erneut verunreinigt werden. Diese Hygienemaßnahmen schützen auch vor anderen Infektionserregern wie Salmonellen oder Campylobacter. (Siehe dazu: Richtig und sicher kochen)

Im Jahr 2008 wurden im Rahmen eines Projektes 42 Hühnerhautproben untersucht, wobei bei zwei Proben (5%) MRSA nachgewiesen werden konnte. Im gleichen Projekt wurden 50 Geflügelfleischproben untersucht, wobei in keiner Probe MRSA nachgewiesen wurde. In einer weiteren Studie konnten ESBL-bildende E. coli in 36,6% der untersuchten Hühnerfleischproben nachgewiesen werden.

Antibiotika-Einsatz beim Geflügel – Resistenzsituation

Die Resistenzsituation von Keimen bei Geflügel

Die Resistenzsituation bei verschiedenen aus Geflügel isolierten Bakterien ist innerhalb der EU höchst unterschiedlich. Dabei findet sich Österreich in den meisten Fällen im Mittelfeld. Die Zahl der Betalactam-antibiotikaresistenten Keime (zu denen auch ESBL gehören) ist in Österreich geringer als im EU-Durchschnitt. Bei Fluorochinolonen werden in Österreich allerdings überdurchschnittlich hohe Resistenzraten festgestellt.

Welche Maßnahmen werden gesetzt, um ein Ansteigen dieser Resistenzen zu vermieden:

  • Im Gesundheitsministerium wurde bereits im September 2011 aus bestehenden Arbeitsgruppen im Human- und Veterinärbereich eine gemeinsame Plattform gegründet, welche derzeit eine nationale Strategie zur Eindämmung der Antibiotikaresistenz erarbeitet. Im Zentrum der Strategie stehen Maßnahmen zur Verbesserung der PatientInnensicherheit sowie des verantwortungsvollen Einsatzes von Antibiotika in der Veterinärmedizin.
  • Eine Datenanalyse zum Antibiotika-Einsatz unter Verwendung der bereits bestehenden Datenbank der Geflügelwirtschaft (PHD) wird derzeit durchgeführt, um Hinweise für die erhöhten Raten bei der Fluorochinolonresistenz zu finden und gezielte Managementmaßnahmen einzuleiten. Um möglichen Problemen in Bezug auf ESBL vorzubeugen werden auch diesbezüglich Analysen durchgeführt, um weitere Managementschritte einleiten zu können.
  • Laufende Forschungsarbeiten der Veterinärmedizinischen Universität sowie der AGES werden bei der Erarbeitung einer Strategie berücksichtigt.
  • Im November wurde im Rahmen der Sitzung des Beirates „Österreichischer Tiergesundheitsdienst“ beschlossen, dass in Zusammenarbeit zwischen Veterinärmedizinischen Universität und der Österreichischen Tierärztekammer Leitlinien für den verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung erarbeitet werden. Das Ministerium überprüft die Möglichkeiten diese Leitlinien rechtsverbindlich zu verankern.
  • Speziell hinsichtlich des Einsatzes von Medikamenten, welche ursächlich mit der hohen Fluorochinolonresistenz zusammenhängen, sind spezielle, noch strengere Vorschriften für deren Einsatz geplant. Cephalosporine der 3. und 4. Generation haben im Unterschied zu anderen europäischen Ländern keine Zulassung für die Anwendung beim Geflügel. Eine Ausweitung des Anwendungsverbotes auf weitere Antibiotika, die für die Humanmedizin von außergewöhnlicher Bedeutung sind, wird diskutiert.

(15.07.2012)

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