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Report: Supplementary risk assessment for GM maize MON810 with regard to the conclusions of the WTO-Panel in the case "EC BIOTECH"

Der im Auftrag des BMGFJ (nun BMG) verfasste Report mit dem Titel "Supplementary risk assessment for GM maize MON810 with regard to the conclusions of the WTO-Panel in the case "EC BIOTECH" on Austrian safeguard measures for GM maize"  ist von dem nachstehenden Autorenteam des Umweltbundesamtes (Dr. Michael Eckerstorfer, Dr. Andreas Heissenberger und Dr. Helmut Gaugitsch ) erstellt worden und im Jahr 2007 erschienen.

Das Ziel dieses Berichts ist, die österreichischen Argumente im WTO-Fall "European Communities - Measures Affecting the Approval and Marketing of Biotech Products" zusammen zu fassen. Die österreichischen Schutzklauseln, mit denen der Import und die Anwendung der gentechnisch veränderten Maislinien MON810 und T25 verboten wird, waren Teil der beklagten EU-Maßnahmen im genannten Streitfall. Dieser Bericht erfüllt die WTO Kriterien hinsichtlich der Forderung, dass diese Maßnahmen auf einer Risikoabschätzung basieren müssen, die dem SPS Abkommen entspricht und nach Richtlinien von internationalen Standardisierungsorganisationen durchgeführt wurde.

Dieser Bericht ist in zwei thematische Bereiche geteilt:

  1. Eine Argumentation, dass die zur Verfügung stehenden Daten nicht ausreichend waren, um eine umfassende Risikoabschätzung durchführen zu können.
  2. Eine ergänzende Risikoabschätzung um die österreichischen Argumente zu vervollständigen und die Anforderungen nach dem SPS Abkommen zu erfüllen.

Dieser Bericht zeigt, dass die Meinung Österreichs in Bezug auf das Fehlen von Daten zur Risikoabschätzung zumindest teilweise vom Wissenschaftlichen Komitee für Pflanzen der EU, der Europäischen Kommission und einem der wissenschaftlichen Experten, die vom WTO-Panel zu dessen Unterstützung herangezogen wurden, geteilt wird.

Die in diesem Bericht vorgelegte Risikoabschätzung für MON810 Mais behandelt mögliche Effekte auf Ziel- und Nicht-Zielorganismen sowie möglichen Gentransfer und andere relevante Parameter der Risikoabschätzung.

Für MON810 kann mit Bezug auf die vom Antragsteller zur Verfügung gestellten Informationen und neuere wissenschaftliche Erkenntnisse folgendes festgestellt werden:

  • Die Schlussfolgerungen des Antragstellers in Bezug auf Auskreuzung und Gentransfer beruhen auf einem "Best case"-Szenario, und basieren nicht auf realistischen Daten und den sehr variablen Resultaten aus den verfügbaren wissenschaftlichen Publikationen.
  • Der Resistenzmanagementplan für den Maiszünsler ist unzureichend da keine Angabe von Basisdaten erfolgte, die Information bezüglich der Umsetzung dieses Plans unzureichend ist und eine unrealistische, d.h. viel zu niedrige, Annahme bezüglich der Geschwindigkeit der Einführung von MON810 in der EU getroffen wurde.
  • Es konnte klar gezeigt werden, dass ein Risiko für Nicht-Zielorganismen besteht. Dieses Ergebnis beruht auf wissenschaftlicher Literatur und für Österreich relevante Daten, wie z.B. Populationsdichten von Lepidopteren (Schmetterlingen) in landwirtschaftlichen Ökosystemen und Maisfeldern sowie deren Gefährdungs- Klassifizierung. Da gezeigt wurde, dass Bt-Toxine auch Effekte auf Nicht- Ziellepidopteren haben, ist es wahrscheinlich, dass Lepidopterenpopulationen in landwirtschaftlichen Ökosystemen negativ beeinflusst werden. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen können auch aquatische Nicht-Zielorganismen, wie Trichopteren (Köcherfliegen) durch Bt-Toxine geschädigt werden.
  • Die Schlussfolgerungen des Antragstellers hinsichtlich der toxischen und allergenen Eigenschaften von MON810 Mais basieren auf akut-Toxizitätstests, die mit aus Bakterien gewonnenem isolierten Protein durchgeführt wurden, sowie auf Homologiestudien und in-vitro Abbaustudien. Dies kann nicht als ausreichend angesehen werden, da sich das bakterielle Protein möglicherweise vom pflanzlichen unterscheidet und durch den Versuchsansatz chronische oder subchronische Effekte nicht erfasst werden.
  • Die Anzahl der Parameter die zur Untersuchung der Inhaltsstoffe herangezogen wurden ist nicht ausreichend und entspricht nicht den internationalen Richtlinien. Außerdem wurden selbst bei Resultaten die signifikante Unterschiede zu konventionellen Pflanzen zeigten, keine weiteren Untersuchungen durchgeführt.

Der gentechnisch veränderte Mais T25 wird ebenfalls, aber weniger detailliert, behandelt. Trotzdem kann festgestellt werden, dass die vom Antragsteller vorgelegte Risikoabschätzung nicht dem Stand der Wissenschaft und Technik entspricht.

Zusätzlich zu den Standardparametern der Risikoabschätzung wurden auch mögliche ökonomische Auswirkungen auf die biologische und konventionelle Landwirtschaft abgeschätzt. Diese Abschätzung entspricht den ISPM Richtlinien der IPPC, einem von der WTO anerkannten Standard. Sehr wahrscheinlich würde das Einkommen von biologischen und konventionell wirtschaftenden Landwirten aufgrund von Auskreuzung und der damit verbundenen Wertminderung ihrer Ernte sinken.

(14.12.2007)

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