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Empfehlungen des Beirats zum Informations- und Frühwarnsystem über besondere Gesundheitsgefahren bei Substanzkonsum und Umgang mit "Research Chemicals"

Prävention

Selektive und indizierte Suchtprävention

Oberstes Ziel präventiver Maßnahmen ist die Verhinderung von kurz-, mittel- und langfristigen Gesundheitsschäden der Konsumierenden. Der effektivste und dem „state of the art“ entsprechende Zugang zu Konsumierenden ist die selektive und indizierte Suchtprävention. Speziell entwickelte und maßgeschneiderte Maßnahmen bzw. Botschaften sind für Personengruppen mit Risikoverhalten und -merkmalen besser geeignet als universelle Maßnahmen der Suchtprävention, die sich unspezifisch an die Gesamtbevölkerung wenden. Wenngleich Maßnahmen der universellen Suchtprävention auch spezifischen Personengruppen mit riskantem Konsumverhalten zugute kommen, z.B. allgemeine Informationen und Stärkung der Lebenskompetenz.

Risikokompetenz und Risikoabschätzung

Die Förderung von Risikokompetenz ist ein wichtig-inhaltliches Ziel der präventiven Maßnahmen bei Konsumierenden. Daher ist die Bereitstellung von objektiver Information über Konsumverhalten, Wirkung und Gefährdungspotenzial einzelner Substanzen eine Voraussetzung für die individuelle Risikoabschätzung für (potenzielle) Konsumentinnen und Konsumenten.

Sensible mediale Berichterstattung

Die mediale Berichterstattung kann im Zusammenhang mit „Research Chemicals“ und Naturdrogen kontraproduktiv sein. Es wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass die mediale Berichterstattung in England im Jahr 2009 den Mephedron-Konsum gefördert hat. Die in den Medien diskutierte Forderung nach dem Verbot von Mephedron führte zu Hamsterkäufen. Die Zahl der Überdosierungen nahm dramatisch zu. Ein ähnlicher Prozess war im Zusammenhang mit „Spice“ auch in Österreich zu beobachten.

Beim jährlichen Meeting des europäischen Frühwarnsystems wurde daher eindringlich darauf hingewiesen, wie wichtig eine sensible mediale Berichterstattung ist. In diesem Sinne sollte eine Diskussion mit Medienvertretern und Fachleuten eingeleitet und entsprechende Maßnahmen erarbeitet werden. Dabei könnte auf den langjährigen Erfahrungen im Bereich der Suizidprävention aufgebaut werden, wo der Erfolgsnachweis in mehreren Studien eindrucksvoll erbracht werden konnte. Beispiele für erfolgreiche Maßnahmen sind Schulungen von Redakteurinnen und Redakteuren sowie ein Verhaltenscodex ("Code of Conduct") zwischen Fachleuten und Medien.

Behandlung

Intoxikation/Notfall

Oberstes Ziel ist es, im Notfall einer Intoxikation (Vergiftung, Überdosis) möglichst schnelle Hilfe zu gewährleisten. Erschwerende Faktoren sollten aus dem Weg geräumt werden. Kosten für Rettungstransport und Krankenhausaufenthalt bei Drogennotfällen den Patientinnen und Patienten zu verrechnen, ist hoch problematisch. Die Wahrscheinlichkeit verringert sich, dass die Rettung gerufen wird, gleichzeitig erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für lebensbedrohliche Komplikationen. Ebenso sollen Peers bei vermeintlichen Drogennotfällen nicht damit rechnen müssen, dass die Polizei verständigt wird, weil sie das davon abhalten kann, rechtzeitig Hilfe zu holen. Maßnahmen, die Risiko- und Handlungskompetenzen bei der Peergroup fördern, sind wichtig, so dass Notfälle erkannt werden und schnelle Erste-Hilfe-Maßnahmen möglich sind.

Detoxifikation/Entgiftung

Da es sich bei den Konsumentinnen und Konsumenten häufig um noch sehr junge Personen handelt, ist es wichtig, altersadäquate Hilfs-Angebote zur Verfügung zu haben. Die jungen Patientinnen und Patienten können auf Entgiftungsstationen für Erwachsene nicht optimal versorgt werden. Es bedarf geeigneter Angebote, die über das spezifische Knowhow für diese Zielgruppe verfügen.

Subakutphase

Ein wesentlicher Teil der Behandlungsstrategie ist in dieser Phase eine genaue Indikationsstellung: eine differenzierte Diagnostik, die auch persönlichkeitsrelevante Komponenten erfasst. Da nicht alle Maßnahmen für alle Personen geeignet sind, ist eine Vielfalt an Behandlungsangeboten wichtig. Bei somatischen oder psychiatrischen Erkrankungen sollte neben psychosozialen Maßnahmen die Möglichkeit von stationärer Aufnahme genauso eine Option sein wie eine semistationäre Aufnahme oder eine ambulante Intervention.

Chronische Phase

Hier sind die im Suchtbereich üblichen rehabilitativen Maßnahmen anzuwenden.

Therapieforschung

Von großer Bedeutung sind in der Therapieforschung die Methoden der wissenschaftlichen Begleitung, die Evaluation und Erkenntnisse nach Behandlungen (katamnestische Erkenntnisse). Zur Identifikation der einzelnen Substanzen und der Erforschung der biologischen Wirkung bedarf es des Einsatzes aller technischen Möglichkeiten. Essentiell ist die Vernetzung des allgemeinen Gesundheitssystems, der Drogenhilfe und der psychosozialen Dienste, um das verfügbare Wissen zusammenführen zu können.

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